Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Das isländische Moos

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Das isländische Moos, ein Alpengewächs, hat Röhrchen und Blätter. Beide sehen verdorrt aus. Die Röhrlein dieser Pflanzen sind ehemals voller Milch gewesen, so dass die Sennen ihre Kühe, welche das Moos gerne assen, dreimal im Tage melken mussten. Das war ihnen oft lästig, und als die Alpleute einmal ein Fest feierten, fluchte einer von ihnen gotteslästerlich und verwünschte das allzu ergiebige Futter mit den Worten:

«Verfluchtes Gras, Muttrina und Hahnenfuss,

Dass ich dreimal im Tage melken muss!"

Am andern Tage war das Kraut verdorrt und blieb es bis auf den heutigen Tag.

Eine ähnliche Sage erzählt, dass die Kornhalme früher an jedem Gelenke Aestchen mit Aehren getrieben haben. Als die Menschen jedoch böse wurden und die Gottesgabe ohne Dank hinnahmen, ja sie muthwillig verdarben, brach Gott alle ab, bis auf das oberste, das er für die wenigen Guten noch stehen liess.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch