Mutabor Märchenstiftung

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Das Alp-Segnen

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

In der Malanser Alp Tarnuz im Vättiser Thale waren gar fromme Sennen, die allabendlich über das ihnen anvertraute Vieh einen Segensspruch thaten. Nun hatte aber der Obersenn einen Lieblingsschimmel, eine weissgraue Kuh, die er eines Abends streichelte und dann auf einen besonders guten Weideplatz führte, indes das übrige Vieh des Segensspruches wegen um die Sennhütte herum versammelt wurde. Der Senn gedachte den Schimmel allein und besonders zu segnen.

Als nun die Sennen sagten: "Gott b'hüet is d's Veh in dunkler Nacht, halt' selber üs'ra Berga Wacht!" zog eben eine Wolke den Berg herauf, die Sturm und Gewitter mit sich brachte. Das schaffte den Alpknechten grosse Noth und Arbeit, so dass der Obersenn darüber vergass, den Segensspruch über den Schimmel auszusprechen. Indessen kam der Schimmel von seinem Weideplatze heim und wurde mit dem andern Vieh in den Stall gebracht.

Es blitzte und donnerte die ganze Nacht hindurch, und der Sturm rüttelte und schüttelte an der morschen Alphütte. Am Morgen trafen die Aelpler alles Vieh gesund und wohlbehalten an, ausser dem Schimmel, der war vom Blitze erschlagen, worüber der Obersenn so sich grämte, dass er am gleichen Tage die Alp verliess und nie wiederkehrte.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

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