Mutabor Märchenstiftung

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Untergang der Stadt Roll

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Am rechten Ufer des Thunersees, in der Nähe von Ralligen, lag im Alterthum die Stadt Roll, gross und reich, am Fusse der jähen Ralligstöcke. Die Bewohner darin waren stolz und übermüthig und lebten in Saus und Braus.

In dieselbe kam eines Abends ein Zwerglein und bat um Nachtherberge. Es wollte ihn aber niemand aufnehmen, ausser den Bewohnern eines abgelegenen Häuschens. Diesen sagte er den Untergang der Stadt und ihre eigene Rettung voraus. Dann erscholl oben von der Fluh, den Ralligstöcken, ein lauter Ruf:

Stadt Roll, zieh us mit dinem Volch!

Die spitze Flueh ist g'spalten:

Schlegel und Weggen si g'halte (sind versorgt),

D' Stadt Roll muss unter ga.

Die übermüthigen Bürger achteten des dreimaligen Rufes nicht; aber in der Nacht stürzte die Fluh herunter und deckte die Stadt zu, nur das Häuschen nicht, welches den Zwerg ausgenommen hatte, und an dessen Stelle jetzt das Ralligschloss steht, in dessen unterstem Stockwerke zu Zeiten drei Jungfrauen in seidenen Gewändern durch die Gänge schreiten und dann verschwinden.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

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