Mutabor Märchenstiftung

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Die Stadt Werdenberg

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Sage

Nach der Sage war das Städtchen Werdenberg einst eine schöne und grosse Stadt, die bis ins Feldrietli oder gegen Sevelen hin reichte. Das Schloss des Grafen stand auf dem Ilgenstein ob Altendorf. Als eine schöne, aber gottlose Gattin übel lebte, und nach ihrem Beispiel alles Volk, lagerten schwarze Wolken drüben her, fiel der Regen in Strömen und in einer Nacht versanken Stadt und Schloss und Leute, wovon der jetzige See mit seinen bodenlosen Sümpfen und das Feldrietli noch zeugen. Im See wollten Gläubige Thurmspitzen gewahren. Die Gräfin aber haust noch jetzt unten als grosse Schlange mit goldener Krone und goldenen Schlüsseln. Meist hält sie sich auf dem Sonnenbüchel auf, in den schönen Buchenwäldern ob Altendorf; aber alltäglich kommt sie ins Feldrietli, wo sie aus einem Brünnlein trinkt und Schlüssel und Krone dabei ins Gras legt. Mancher hätte letztere gern erbeutet, und einer ritt einst deshalb ins Feldrietli, wo er neben der Quelle ein weisses Tuch ins Gras breitete. Als die Schlange ihren Schmuck darauf legte, entriss der Gierige das Tuch und sprengte fort; aber die Schlange schoss ihm pfeilschnell nach, dass er froh war, den Fang wieder fahren zu lassen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch