Mutabor Märchenstiftung

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Die Edelfrau von Heidegg

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

Zur Zeit des Sempacherkrieges umgab ein Kranz von Burgen den lieblichen Baldeggersee im fruchtbaren Hitzkircherthale. So Baldegg, Lieli, Richensee, Oberreinach, Heidegg. Bis auf die letzte fielen alle auf einem Streifzuge der erzürnten Eidgenossen im ersten Sturme, und wurden ein Raub der Flammen. Heidegg allein entging durch ein Wunder dem gleichen Schicksale.

Damals wohnte auf der Burg eine fromme Edelfrau, welche die Wohlthäterin der Armen und Nothleidenden in der ganzen Umgebung war. Beim Herannahen des Sturmes gelobte die geängstigte Frau der Himmelskönigin eine Kapelle zu bauen, wenn die Burg vor dem Untergange bewahrt werde. Als nun die Eidgenossen von dem niedergebrannten Lieli oder Neuneck, wie die Burg ihrer Form wegen auch hiess, durch den dichten Wald von dem untern Klotisberg nach Heidegg hinüberstürmten, da legte sich plötzlich über die ganze Gegend ein solch undurchdringlicher Nebel und tobte zugleich der Dinkelbach so gewaltig, dass die Krieger bald vom rechten Weg abkamen und dermassen sich verirrten, dass sie erst auf der Höhe der obern Jlau sich wieder zurecht fanden.

So wurde Heidegg vom sichern Untergange gar wunderbar gerettet. Ihrem Gelübde getreu liess die dankbare Edelfrau im Hofraume die hübsche Schlosskapelle bauen, die jetzt noch die Inschrift trägt: "Procul estote profani! “ (Fern bleibe die Rotte der Frevler.)

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch