Das Salwidenbad
Das Salwidenbad im Entlebuch drinnen, zwischen Sörenberg und Scheibengütsch hat folgenden Ursprung. Von seiner bösen Stiefmutter hatte ein Mädchen viel zu leiden und einmal ward es sogar wund geschlagen. Das Kind entlief und gelangte auf seiner Flucht zu einer Quelle, die kräftig und klar aus dem Boden sprudelte. Es beugte sich, trank und wusch seine Wunde. Plötzlich fühlte das Kind sich geheilt. Dessen war es herzlich froh, aber dachte und beschloss gleich bei sich, der Stiefmutter, die seit langem an einem Wundschaden litt, sage es jetzt absichtlich nichts von diesem Heilbrunnen, warum mache sie es ihm so wüst, sie könne nun auch das Uebel haben. Das schadenfrohe Mädchen liess wirklich von seiner Entdeckung keine Silbe verlauten. Als es hierauf wieder eine Wunde am Leib erhielt, ging es hin an den Ort, um sich durch Waschen zu heilen; allein es konnte den Heilborn nun nimmer finden. Eine Frist verstrich. Da jagte ein Jäger in selber Gegend. Eben hatte er ein schönes Thier angeschossen. Dasselbe lief mit letzter Kraftanstrengung einer Quelle zu, badete sich und war genesen. Der Jäger sah es und so war jener durch das neidische Mädchen verlorne Wunderbrunnen wieder gefunden.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch