Die Pferde auf dem Eiberg
Zur Zeit, als die Allmend noch unvertheilt war und alles Land gemeinsam beweidet wurde, schlenderte über den ebenen, jetzt ganz mit Walde bewachsenen Eiberg eine Schar Jünglinge aus Nieder-Bipp. Da äusserte einer aus ihnen aus Muthwillen: "Das ist ein tüfelsschöns Plätzli; hätten wir jetzt tüfelsschöne Rosse, so könnten wir tüfelsschön reiten!" Kaum war das ausgesprochen, so standen Pferde vor ihnen, so schön, wie man sie schöner nicht hätte wünschen können, und mit Zaum und Sattel, gerade als hätten sie auf die Jünglinge gewartet. Diese besannen sich nicht lange, sie sassen auf, und es waren genau so viel Rosse als Reiter, keines mehr, keines weniger. Nun ging es aber so sausend und schnell auf und davon, dass es alle Vorstellung übertraf. Das kam einem von ihnen unheimlich vor; er besegnete sich und fiel glücklicherweise vom Gaule hoch herab ins Gestrüppe, wo er sich tüchtig zerkratzte, während die andern samt ihren Thieren verschwanden, ohne dass man je wieder eine Spur von ihnen fand.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch