Das Pferd als Schiedsrichter
Als die zwei Gemeinden Erschmatt und Bratsch eine gemeinsame Kirche bauen wollten, war heftiger Streit unter ihnen, wo selbe sollte aufgeführt werden. Natürlich wünschten beide Gemeinden die Kirche in ihrer Mitte. Als alle andern Mittel zu keinem Verständnisse führen wollten, kam man überein, ein Pferd mit Kalk zu laden und da zu bauen, wo dasselbe würde stehen bleiben. Gesagt, gethan. Ein der Gegend unkundiges Pferd trug ohne Führer die Ladung auf den Platz hin, wo die Kirche jetzt steht, stellte sich gegen Sonnenaufgang und begann dreimal hell zu wiehern. Auf dieses Zeichen wurden die Leute einig und bauten eine schöne Kirche.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch