Der Valeishund
In früherer Zeit waren die Bauern von Vilters und Wangs im Sarganserlande über eine Weide im Valeistobel im Streite. Die Sache kam vor Gericht, wo ein schlauer Wangser Erde von seinem eigenen Boden in die Schuhe und seinen Haarkamm, dort "Richter" genannt, und den Schöpflöffel in den Hut genommen und dann meineidig geschworen habe: So wahr stehe ich auf eigenem Boden, als mein Richter und Schöpfer über mir ist. Wangs erhielt dadurch die sogenannte "Kalberweid", die in Vilters noch der "gestohlene Boden" heisst. Dafür jedoch geistert der Meineidige, indem er als "Valeishund", nur ein Auge mitten auf der Stirne, Mitternachts bis Mels, dem Landgerichtsplatz, wandern muss.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch