Mutabor Märchenstiftung

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Der schwarze Hund

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

In Bern, als noch die sogenannte Silberstrecke unweit der alten Münze an der Aare vorhanden war, kannte man einen unterirdischen, langen Gang, vor dessen Oeffnung links ein Holunderbaum stand. In diesem Gange, das wurde vor Jahren fest geglaubt, hat mancher arme Bürger in seiner Noth Hilfe gefunden. Man durfte einmal zu heiliger Zeit hingehen und kam bis zu einer eisernen, von innen verschlossenen Thüre. Wer hilfebedürftig war, rief zweimal:

"Schultheiss N. hör' meinen Ruf!

Bald wird enden sich dein Fluch.

Gott sei deiner Seele gnädig!

Er mache dich von Sünden ledig!"

Dann vernahm er schwere Tritte, die Thüre ging auf und der gerufene Schultheiss erschien, in kohlschwarzem Samt gekleidet, eine goldene Kette am Halse, neben ihm ein grosser, schwarzer Hund. Er deutete traurig auf seinen durch Veruntreuung entstandenen Schatz und der Rufende durfte zugreifen. War einst die Kiste leer, so sollte der Büssende erlöst sein; im Jahre 1802 sei sie schon halb leer gewesen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch