Mutabor Märchenstiftung

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Erhängen am Strohhalm

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

In dem kleinen Dorfe Rieden unterhielten sich die Burschen beim Dreschen über einen Selbstmord, welcher in der eine Viertelstunde entfernten Stadt Baden vorgefallen war. Das hat eben auch der Teufel gethan, sagte einer der Drescher, denn wo der mit im Spiele ist, da kann sich einer an einem Strohhalm erhenken. Nach mehrfachem Hin- und Widerreden erbot sich nun einer der Burschen, es auf den Versuch ankommen zu lassen, die übrigen möchten ihn nur schnell herunterlösen, wenn sie wirklich bemerken sollten, dass er darüber in Lebensgefahr käme. So erklettert er denn gleich den Steighaken in der Tenne, schlingt um die oberste Sprosse desselben einen frisch vom Scheunenboden genommenen Halm und steckt nun den Kopf in die Schlaufe. In diesem Augenblicke schiesst an den Zuschauern vorbei ein fetter grosser Hase durch das eine Tennenthor herein und durch das andere offen stehende hinaus. Alle Burschen jagen ihm nach. Er lässt sich anfangs die Verfolger nahe auf den Leib kommen, dies steigert ihre Hast; und so setzen sie ihm so lange zu, ohne ihn erwischen zu können. Unverrichteter Dinge kehren sie endlich um; aber wie erstaunen sie, als sie ihren Kameraden auch jetzt noch am Strohhalm hängen sehen. Er scheint wirklich todt. Einer erklimmt den Steighaken, um den Halm zu zerreissen: umsonst! Nachdem man den Entseelten mit samt der kindischen Schlinge am Hals in die Tenne herabgehoben, entwindet und entwickelt man den Halm freilich ohne Mühe, aber durch ihn hindurchgezogen findet man jetzt einen Eisendraht.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

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