Mutabor Märchenstiftung

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Die beraubte Schlange zu Veltheim

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Die Schlangen haben ihr eigenes Reich und Recht; beleidigt man eine, so pfeift sie, und gleich kommt ihr ein ganzes Rudel zu Hilfe; ihre Königin hütet Schätze und ist meistens ein verwünschtes Fräulein. Wenn sie badet, legt sie vorher ihr Königskrönlein im Grase ab; kann man dies erwischen, so gedeiht einem alles. Die übrigen Schlangen schütten, ehe sie ins Wasser gehen, ihr Gift auf einem Ufersteine aus; nimmt man dieses weg, so müssen sie sterben.

So sah es der Schlossbauer auf Kastelen. Er heuete mit seinen Knechten bei Veltheim auf der am Thalbache gelegenen Wiese, welcher von der Ruine herabkommt. Die Leute bemerkten, wie da eine Schlange eben ihr Gift auf einen Stein ablegte und dann ins Wasser kroch, um zu baden. Heimlich schlich sich ein Knecht zu, nahm den Stein mit dem Gifte und goss es in die mitgebrachte Trinkflasche. Nicht lange gings, so hatte die Schlange ausgebadet und suchte nun am Ufer nach dem Gifte. Da sie es nicht mehr fand, sprang sie mehrmals hoch auf, plätscherte im Wasser umher und wurde kurz darauf todt mit hinabgeführt.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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