Der grüne Jäger
Im solothurnischen Jura kam in Grenchen, wenn es rauh Wetter geben wollte, ein gespenstischer Alter vom Altwasser her, dem Eiholze zu, mager, bleich, mit kreideweissem, langem Barte und hohlen Augen, auf der Achsel ein Zwilchbündel, an dem er schwer und "bärzend" (stöhnend) trug. Am Wittibache legte er das Bündel ab, öffnete es und daraus kugelten schwarze Hündchen, jedes auf der Stirne nur ein Auge ("Einauger"), die heulend den Alten umsprangen; zuletzt aus den zwei Endzöpfen des Bündels grüne Jägermännchen. Jetzt wirbelte der Alte in die Luft und fuhr mit dem Zuge auf und davon, mitten drin auf dreibeinigem schwarzen Hengste ein grosser, grüner Jäger, der "Schwed" (zur Erinnerung an den Einfall Bernhards von Weimar 1637 in den Jura). Der blies ins Ohr zur Jagd, die unter "Utä, utä!" und "Hossässä!" wie im Wetter unter dem Heulen und dem Hin- und Herrennen der kleinen Jäger ihm nach dem Witi- und dem Moosbache zu, durchs "Leusemoos" und beim Bachtlebade vorbei, zum Galenwege tobte, der dort über den Jura nach Gallien geführt hat. Wer der wilden Jagd, dem Schweden, dem "Bachtlegeschrei" begegnete, blieb nur verschont, wenn er zu einer der drei ob dem Galenwege befindlichen Eichen mit Heiligenbildern flüchten konnte. Der Zug stürmte über den Berg ins jenseitige Thal.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch