Der graue Hundedieb
Einer aus dem Traversthale ging mit seinem Hund auf die Jagd. Als er oben auf dem Creux du Vent (ein Halbkreis senkrechter Felsen) anlangte, sah er einen grossen Mann an einen Stein gelehnt, gehüllt in einen weiten grauen Mantel, auf dem Kopfe einen grossen breitkrempigen Hut, der das Gesicht völlig verdeckte. Der Mann, neugierig, trat grüssend näher, hatte aber den Mund geöffnet, als ihn ein Wirbelwind wohl zwölfmal im Kreise herumdrehte, und als er zur Besinnung kam, er sich unten im Thale fand, wo er gefrühstückt. Den Hund sah er nie wieder. Dagegen wollte er zur Weihnachtszeit, wenn der wilde Jäger mit Peitschenknallen, Jagdruf und Hundebellen über das Traversthal hinbrauste, den Hund stets aus dem Lärmen heraus erkannt haben, weil das treue Thier jedes Mal ob dem Hause vom Zuge etwas zurückblieb.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch