Die Sträggele und der Türst
Im Kanton Luzern erzählt man, es habe einst ein Burgfräulein leidenschaftlich die Jagd geliebt. Als einmal ihr Geburtstag auf einen Fastenfreitag fiel, überkam sie ein Gelüste, frisches Wildpret zu speisen. Alle Anwesenden missbilligten das, nur ihr Geliebter stimmte gleich bei. Beide ritten mit ihren Hunden hinaus, kamen aber nie wieder zurück. Sie fahren jeden Fastenfreitag um Mitternacht und auch sonst in gewissen Nächten des Jahres als die wilde Jagd ins Land hinaus, wo man dann von den schroffen Felsen des Pilatus durch das ganze Land das Gejägt mit Pferdeschnauben und Hundegebell, halb hoch in der Luft, bald ganz nieder über den Boden hin, wie Sturmwind ziehen hört. Dann heisst es: "Die Sträggele, und der Türst kommen."
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch