Der Melkstuhl auf der Seveler-Alp
Auf der Seveler Alp Altsäss kam den Sennen ein Melkstuhl, so oft man ihn im Untersäss (Unterweide) einstellte, niemand wusste wie, jedes Mal wieder aufs Obersäss. Da hiess einst der Senn den Buben den Stuhl vom Obersäss herabholen und versprach ihm seine schöne Glockengeiss, wenns ihm gelinge. Der Bube lief, schlich, wie er oben ankam, zur Hütte, schaute durch eine Spalte hinein und sah auf dem Stuhle einen riesigen Mann am Kessel sitzen und feuern. Furchtlos, wie der Bube war, rannte er in die Hütte, riss den Melkstuhl unter dem Grossen weg, welcher rücklings niederstürzte, und lief mit seiner Beute dem Untersässe zu.
Statt ihm aber Wort zu halten, lachte ihn der Senn aus. Da kam in der Nacht der Riesige aufs Hüttendach und rief mit schrecklicher Stimme durch die Schindeln herunter:
"Dem Buoben gehört die Glockengeiss,
Wären aber nit gewesen Die Hitz und der Witz Und die Beiss, die Glockengeiss, Wär die geblieben."
Nach einer ähnlichen Sage von der Melser Alp lautet der Spruch:
"Hettist du nit Fürli heiss Und Hundili beiss. Und Messerli Spitz, I witt der helfen d' Zitgeiss gwünnen."
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch