Mutabor Märchenstiftung

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Die Wasserfrau im grossen Moos des Murten Sees

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

In dem grossen Moos, das sich am nördlichen Ende des Murten Sees ausdehnt, haust und zwar vorzüglich in der Nähe des Sees eine Wasserfrau, mit langem grünen Haar und wasserklaren Augen. Voll Tücke zaubert sie auf das Moos schöne Blumen hin; wer kühn oder vielmehr verwegen genug ist, eine derselben zu brechen, der ist unrettbar verfallen. Sie zieht ihn hinab in ihr Schloss drunten in der kalten schauervollen Tiefe.

Eines Abends wandelte ein Jüngling von Fräschels mit der Geliebten unter traulichen Gesprächen durch das Moos hin. Die Fee hörte die beiden und liess plötzlich unweit von ihnen eine herrliche Wasserlilie heranwachsen. Kaum erblickte der Jüngling die Blüte, so beschloss er auch, sie für die Geliebte zu pflücken; er verliess den schmalen gebahnten Weg und brach die Blume. Aber in demselben Augenblicke riss ihn auch die Wasserfrau mit gewaltiger Kraft in die Tiefe. Niemals kam er mehr weder todt noch lebendig zum Vorschein, und alle Nachforschungen nach seinem Leichnam blieben vergeblich. Aber noch viele Monde nachher sah man das Mädchen verzweiflungsvoll im Moos umherirren und unter Klagen und Thränen den Geliebten suchen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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