Mutabor Märchenstiftung

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Der kleine Hahn und die diamantene Münze

Land: Ungarn
Kategorie: Formel-/Kettenmärchen

Es lebte einmal eine Frau, die hatte nichts als ein winziges Häuschen und einen kleinen Hahn.  Eines Tages scharrte der kleine Hahn auf dem Mist und fand dort eine Münze. Er kratzte sie hervor und sie blitzte in der Sonne wie ein Diamant. Gerade in diesem Augenblick ritt der türkische Kaiser vorbei. Er sah das wertvolle Geldstück und sagte: „Hähnchen, gib mir die diamantene Münze!“
Der Hahn krähte:

Kikeriki, die Münze geb ich nicht her,
sie gehört nicht dir!

Doch der Kaiser griff nach der Münze, nahm sie mit und legte sie zu Hause in seine Schatzkammer. Darüber ärgerte sich der kleine Hahn. Er flog vor das Fenster des Kaisers und krähte:

Kikeriki, gib die Münze her,
sie gehört nicht dir.

Der Kaiser befahl: „Fangt den kleinen Hahn und werft ihn in den Brunnen!“
Die Diener warfen den kleinen Hahn in den Brunnen. Doch der Hahn sperrte seinen Schnabel auf und trank den Brunnen leer.
Dann flog er wieder vor das Fenster des Kaisers und krähte:

Kikeriki, gib die Münze her,
sie gehört nicht dir.

Der Kaiser befahl: Fangt den kleinen Hahn und werft ihn ins Feuer!“
Die Diener packten das Hähnchen und warfen es in den Backofen. Dort sperrte der kleine Hahn seinen Schnabel auf und löschte das Feuer mit dem Wasser aus dem Brunnen.
Wieder flog er vor das Fenster des Kaisers und krähte:

Kikeriki, gib die Münze her,
sie gehört nicht dir.

Der Kaiser befahl: „Fangt den Hahn und werft ihn in den Bienenkorb!“
Die Diener packten den Hahn und steckten ihn in den Bienenkorb. Dort öffnete er seinen Schnabel und verschluckte alle Bienen. Dann flog er wieder vor das Fenster des Kaisers und krähte:

Kikeriki, gib die Münze her,
sie gehört nicht dir.

Nun hatte der Kaiser genug. Er befahl: „Fangt den Hahn und bringt ihn mir!“
Als man ihm den Hahn brachte, packte der Kaiser ihn wütend und stopfte ihn in seine weite Hose.
Da öffnete der kleine Hahn seinen Schnabel und liess die Bienen hinaus. Sie stachen den Kaiser in den Hintern, sodass er jammernd schrie: „Aua! Au!“
Schliesslich befahl er: „Bringt den Hahn in die Schatzkammer! Er soll sich die diamantene Münze selbst suchen!“
Man trug das Hähnchen in die Schatzkammer. Dort öffnete der kleine Hahn seinen Schnabel, verschluckte alles Geld aus der Schatzkammer. Dann flog er zum Häuschen und schenkte alles der armen Frau.
So hatte alle Not ein Ende – und wer weiss, vielleicht kräht das Hähnchen noch heute.

Fassung D. Jaenike, nach: G. Ortutay, Ungarische Volksmärchen, Berlin 1980, unter den Titel: Das Hähnchen und sein diamantener Heller © Mutabor

Ungarn mit seinen weiten Ebenen und der blauen Donau besitzt eine lebendige Volkskultur. Die Geschichte des Landes ist von Jahrhunderten der Fremdherrschaft geprägt. Nach der blutigen Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes von 1956 durch sowjetische Truppen flohen rund 200'000 Menschen aus Ungarn. Viele fanden in Westeuropa oder Übersee eine neue Heimat. Die heutige Republik Ungarn verfolgt in der europäischen Migrationspolitik einen restriktiven Kurs.