Mutabor Märchenstiftung

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Die Fänggin Selbthan

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

In der Alpe Tschuppen oberhalb Langwies spaltete ein Mann Latten zu einem Zaune, und wie er denn so emsig arbeitete, wurde er auf einmal von einer unheimlich aussehenden Figur angeredet. Es überfiel ihn die Furcht und doch durfte er nicht fliehen; denn das hatte sein "Hinter-Ehni" (Urgrossvater) schon erzählt, dass, wenn so was einem "komme", es das Beste sei zu bleiben, und dass durch einen "Pfiff" (List) allein man sich retten könne. So blieb er und dachte im Arbeiten nach, wie er das böse Ding wohl los werden könne.

Nach einer Weile fragte er die Waldfänggin, denn das war eine solche, wie man sie heisse. Aber die Fänggin oder die Waldmutter, wie man diese Waldweiblein auch benamset, meinte listig zu sein, indem sie ihren rechten Namen verschwieg und lächelnd einen andern, "Selbthan" angab.

Wie der Mann eine neue Latte zur Hand nahm, fragte er die Wilde, ob sie ihm helfen wolle. Richtig, sie war dazu bereit und hielt ihm die Latte auseinander. Nicht faul zog der Mann die "Wegge" (Bisse, Keil) heraus und die Fänggin war eingeklemmt.

Der Mann flüchtete eilends, rief aber spottend zurück: "Selbthan, Selbthan." Bald aber hörte er viele Fänggen dem heulenden Weiblein zu Hilfe kommen, und die setzten ihm unverweilt nach. Hätte er nicht den Waldessaum hinter sich gehabt, wäre er in deren Gewalt gefallen, und sie hätten ihn in Fetzen zerrissen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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