Das Bergmännchen als Freier
Ein Bergmännchen liebte ein schönes Mädchen im Thale, und kam mehr zu ihr auf Besuch, als der Hübschen lieb war. Endlich sagte der Freier, der das merkte, zu ihr, wenn sie beim nächsten Besuche seinen Namen wisse, wolle er nicht mehr kommen; wisse sie ihn aber nicht, so müsse sie seine Frau werden. Die Schlaue band ihrem Verehrer unvermerkt einen langen Faden an ein Bein und folgte ihm, als er fortging, heimlich. Als das Männchen in seiner Höhle anlangte, sang es:
"Ei, Rädeli, sp
Ei, Haspelt winn (winde)!
Ei, Gott seis gedankt
Dass mi Schätzli nit weiss
Dass i Hans-Oefeli-Chächeli heiss."
Jetzt eilte das Mädchen heim. Der Liebende kehrte nach etlichen Tagen wieder. Nun sollte das Mädchen seinen Namen nennen. Es rieth hin und her, als ob es nichts wüsste, und sagte endlich, er heisse wohl Hans-Oefeli-Chächeli. Das Männchen erschrak, fluchte, stampfte und schrie: "Das hat dir der Teufel gesagt!" eilte fort und kam nie wieder ins Thal.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch