Das Bergmännchen zu Langeneck
Vor alten Zeiten war der Langeneckerberg im Kanton Bern ein schöner Weinberg, im Thale unten das schmucke Dörflein und auf der Bergspitze die Kirche mit weiter Aussicht. Die Menschen jedoch, so schön die Gegend war, verwilderten. Da erschien einst ein Bergmännchen bei ihnen und verkündete: "Jetzt ist dieser Berg ein schöner Weinberg; komme ich das zweite Mal, wird er eine Viehweide, und wenn ich das dritte Mal komme, ein Gletscher sein." Die Bewohner nahmen sich den Spruch nicht zu Herzen. Da kam mit dem Zwerge die Umänderung. Die Trauben und das Obst reiften nicht mehr, die Feldfrüchte arteten aus und die Gegend konnte nur noch als Viehweide benützt werden.
Jetzt denken die Leute oft mit Schrecken der bevorstehenden fernern Umwandlung.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch