Mutabor Märchenstiftung

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Der unsichtbare Säumer

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Ein piemontischer Säumer brachte einen Zug Saumrosse von der Grimsel durch das Haslithal herab, jedes mit zwei Lägeln welschen rothen Weines, er selbst tüchtig bezecht. Auf dem engen Felssteig bei Guttannen, am Zuben, wo das Ausweichen gefährlich wird, begegnete ihm das Zwergmännlein Selbthan, und der rohe Mann, dem es zu mühevoll war, zum Leitross vorne hinzugehen und es seitwärts zu halten, schwang von hinten die lange Riemenpeitsche und hieb dem Zwerge Schwielen. Der Kleine drückte sich in die Bergwand und schrie so jämmerlich, dass alle Zwerge aus dem Thale zusammen liefen. Dann riefen sie in die Rothenfluh hinauf: "Lauf, lauf, Rabärben! Der Vater will sterben!" Von Stunde an verliessen sie das Thal und zogen drei Tage und drei Nächte über den Grimselpass, wobei man sie laut schluchzen hörte. Dem Welschen aber stürzten die Rosse an der Hellen Platte hinunter und er ihnen nach, und muss nun mit einer unsichtbaren Säumerei, Rosse und Maule, unter Rufen, Pfeifen und Peitschenknallen nächtlich säumen bis zum jüngsten Tage.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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