Mutabor Märchenstiftung

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Das gefangene Zwerglein

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Bei den Aelplerfesten, die an gewissen Sonntagen im August die Sennen der benachbarten Alpen und Thäler vereinigen, wie die Lenker und Adelbodner auf dem Hahnenmoos und die Lenker und Lauener auf den Schneiten zwischen Rothhorn und Stüblenen, pflegten sich ehemals auch die Bergmännchen als still vergnügte Zuschauer einzufinden. Als nun einmal zwei derselben gegen Abend vom Hahnenmoos wieder heimkehren wollten zum Alprisshorn, wo ihre Höhle war, schlichen einige ausgelassene Lenker Burschen ihnen nach, fielen auf dem Grat der Alp Lafey über sie her, und es gelang ihnen, eins zu fangen. Flehentlich bat es um Schonung; allein sie liessen nicht ab, es auszufragen, zu verspotten, am Bart zu zupfen und zu schlagen. Da rief das andere ihm zu: "Bei Leben und Sterben verrathe nicht, was der Wachholderstrauch zu bedeuten hat!" Dieser Strauch verdeckt ja bekanntlich die Eingänge zu ihren Wohnungen, den sogenannten "Doggelistuben." Die losen Buben liessen endlich das Zwerglein wieder frei; es rief ihnen nach, jetzt kommen sie nie wieder, und seither sind sie verschwunden.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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