Mutabor Märchenstiftung

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Der Venediger

Land: Schweiz
Kanton: Schwyz
Kategorie: Sage

Noch in neuerer Zeit kam ein Venediger ins Wäggithal und liess sich von einem jungen Burschen, Namens Oberle, früh an einem Morgen auf den Fluhberig führen, von wo er den Oberle zurückschickte mit dem Geheiss, ihn am Abend wieder abzuholen. So ging es einige Tage fort, aber plötzlich war der Fremde verschwunden. Bald darauf liess sich Oberle in das päpstliche Militär anwerben und als er einmal in einer Mussestunde durch die ewige Stadt schlenderte, hörte er aus einem grossen schönen Hause rufen: "Oberle! Oberle!" Erstaunt blickte er hinauf und ein fein gekleideter Herr winkte ihm einzutreten, was er denn auch that. Da fragte ihn der Herr, ob er ihn nicht mehr erkenne. Oberle antwortete, das Gesicht des Herrn komme ihm zwar bekannt vor, doch wisse er nicht, wo er ihn gesehen habe. Da ging der Herr in eine Kammer und als er in Bergmannskleidung wieder heraustrat, erkannte Oberle seinen Mann vom Fluhberig, der ihm nun mittheilte, da er durch seine Beihilfe zu grossen Schätzen gelangt sei, wolle er auch ihn glücklich machen, aber er dürfe nicht von der Sache erzählen. Oberle erhielt eine bedeutende Geldsumme, nahm seinen Abschied aus dem Militär und kaufte sich ein schönes Heimwesen im heimatlichen Thale. Die Familie Oberle besteht dort noch, ist aber durchweg wieder arm geworden, da man nicht reinen Mund halten konnte.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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