Mutabor Märchenstiftung

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Der Wegzug der Dialen

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

An einem Tage, es war zur Zeit der Heuernte auf den Alpwiesen in der Cierfser Alp da Munt, hatten die Dialen grosse Wäsche, und ihr Weisszeug, Hemdlein, Tischtüchlein und Leintüchlein an der Sonne zum Trocknen ausgebreitet.

Zwei alte, habsüchtige Mütterchen, denen die Dialen manche Wohlthaten erwiesen hatten, und die an diesem Tage auch des Heuens wegen, auf der Alp da Munt sich befanden, betrachteten mit neidischen Augen die schönen Tüchlein. Ihre Habgierde erwachte und sie fassten den Entschluss, einen Theil davon wegzustehlen.

Während die Dialen des Nachmittags auf einige Augenblicke in ihre Wohnung zurück sich begeben hatten, um sich zu erfrischen, oder um andere Geschäfte zu verrichten, entwendeten die zwei Weiber einige kostbare Stücke von der feinen Dialenwäsche, versteckten sie unter das Heu und nahmen sie abends mit sich heim.

Es wurde zwar keine gerichtliche Klage gegen die Diebinnen erhoben, aber am andern Morgen hörte man ein Getöse und Poltern in der Gegend der Felswand nordwärts Cierfs, oberhalb welcher die Alp da Munt liegt. Es war ein solches Krachen und Geklopfe, als ob die Felswand zusammenstürzte, und der Theil der Gemeinde, welcher an deren Fuss liegt, verschüttet werden sollte.

Die Dialen waren aus- und weggezogen mit all ihren unermesslichen Schätzen und Reichthümern. Kein Mensch hat je mehr sie gesehen. Von ihrem Wegzuge gaben jene schauerlichen, gefährlichen Risse in der Felswand Zeugnis genug.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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