Mutabor Märchenstiftung

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Das beschenkte Fegmännchen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Region: Simmental
Kategorie: Sage

Im Simmenthale lebte vor langer, langer Zeit ein guter, aber etwas einfältiger Mann, dem sein Vater etwas weniges Land und eine Stampfmühle hinterlassen. Wenn aber der Mann auf dem Lande arbeitete oder um etwas zu verdienen, taglöhnerte, blieb die Mühle oft unthätig und fing an, da er sie nicht genug reinigte, abzugehen. Sein Erwerb ging hinter sich und er hatte Lust, den Stampf aufzugeben. Da geschah es, dass er eines Abends heim kam und eben daran dachte, als er die Mühle sauber, wie nie, geputzt und alles an seinen Ort gestellt fand. Er kannte sie kaum mehr, und da die Mühle seitab in einem Tobel lag, vom nächsten Dörflein fern, wusste er nicht wem danken. Aber das kehrte wieder. Zumal Sonnabends, wenn er heim kam, war gestampft und gefegt ohne alle weitere Spur.

Nun wollte er auf die Spur kommen und verbarg sich auf dem Estrich unterm Dache, wo er ein Brett in die Höhe hob, um geheim in die Stampfe hinab sehen zu können. Und wie kam es am Sonnabend? Im Fussboden der Mühle hob sich plötzlich ein Laden empor, guckte ein Spitzkopf wie eine Maus herauf, nieste, fuhr in die Höhe und liess ein drei Fuss hohes bewegliches Männchen sehen, das erst herumtänzelte und sich dann hurtig an die Arbeit machte, die rasch von statten ging, dann fegte und ölte es, stellte das Wasser ab, und als es, sich ansehend, geklagt, es habe weder Kleid noch Schuhe, verschwand das Fegmännchen, das wirklich ganz zerlumpt aussah. Der Müller bestellte dankbar Kleidchen und Schuhe und ein Filzmützchen und legte alles bereit. Nächsten Sonnabend gewahrte Fegmännchen die Bescherung, that einen Freudensprung, kleidete sich an, trippelte herum und verschwand für immer mit dem Spruche:

"Jg nit meh Gerste stampfe mah, Jg schön Chleideli ha.

Jg jiz tanze ga."

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch