Der böse Geist
Auf einem Berge des Simmenthals hauste ein böser Geist, welcher alle Sommer nächtlicher Weile den tödtete, welcher zuletzt dort schlief. So geschah es lange Jahre. Endlich sagte ein Knecht, er wolle es auch versuchen und dort schlafen. Und als er daselbst schlief, kam der böse Geist und sagte zu ihm: "Ich will dich reich machen, wenn du mir folgen willst." Der Knecht versprach zu folgen. Nun befahl ihm der Geist, einen Pickel und eine Schaufel zu nehmen und ging mit ihm in einen Käsespeicher und liess ihn dort graben, bis er zu einem Kessel voll Geld gelangte. Da sagte ihm der böse Geist: "Einen Drittel gib dem Eigenthümer des Berges, einen Drittel den Armen und einen Drittel behalte für dich." Dann fuhr er fort: "Ich will jetzt wieder gehen, recke mir die Hand." Der Knecht aber reckte ihm anstatt der Hand den Pickel, der Geist verschwand und das Geld blieb.
Die frühern Knechte hatten dem Geiste allemal die Hand gereckt und so tödtete er sie dann und das Geld versank wieder unter die Erde.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch