Der Riese im Gadmenthal
Im Gadmenthal ist ein Steg von Fels zu Fels, den nennt man den Heidenweg. Jenseits am Thalrande hausete einst ein Riese; der war sehr stark und trug eine mächtige Keule, und was in seine Nähe kam, Menschen und Thiere, erschlug er und briet es sich und verspeisete es mit Behagen. Als er so es lange schon getrieben, wagte sich niemand mehr in jene Gegend, so dass der Riese Noth litt und sich zu den diesseits gelegenen Häusern zu gehen entschloss, um dort Menschen oder Vieh zu rauben. Als er aber den schwanken Steg über das Bachtobel betrat, brach dieser unter ihm zusammen und wild heulend stürzte der Riese gegen die schwarzen Felsen und in das schäumende Gewässer und kam dort elendiglich um. So ward das Thal von seinem Unholde befreit und jubelnd stellten die Einwohner den zerstörten Steg wieder her. Aber wohl überlegt machten sie ihn wiederum leicht und schwach, damit jeder Riese, der ihn betritt, dem gleichen Schicksal wie sein Stammgenosse verfallen möge.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch