Mutabor Märchenstiftung

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Das Riesenspinnrad

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Der Geissberg beim Dorfe Billigen läuft ostwärts in einen kegelförmigen Vorsprung aus. Auf dessen Höhe findet sich noch altes Gemäuer, weshalb er nur die "Burg" genannt wird.

Daselbst hausete in früheren Tagen ein Riesenfräulein, unter dessen Launen und Begehren die Bewohner der benachbarten Thäler viel zu leiden hatten. Oefters unternahmen die letztere Streifzüge gegen das Burgfräulein. Allein unter der Burg angekommen, fing es an zu schnurren und zu sausen, dass sie vor Angst und Grausen davon liefen. Das war das Schnurren und Sausen eines Riesenspinnrades, an dem das Burgfräulein ihre Kleider spann und das es in solchen Augenblicken gewaltiger drehte als sonst. Einst spann es so mächtig, dass ihm der Wirtel von der Spindel sprang und in kühnem Bogen mitten in die benachbarte Aare flog.

Daselbst ist er bis auf den heutigen Tag liegen geblieben. Es ist ein grosser runder Stein, der bei kleinem und mässigem Wasserstande über die Oberfläche des Stromes hervorblickt.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch