Mutabor Märchenstiftung

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Der starke Millbacher

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Region: Emmental
Kategorie: Sage

Millbacher von Trub im Emmenthal war stärker als seine Zeitgenossen und galt noch sehr jung als der beste Schwinger seiner Gegend. Er trug ein volles Salzfass ohne irgend einen Anstand bergauf, und in den Dörfern der Niederung, wo er öfter als Schnitter diente, erzählte man sich viel von seiner ausserordentlichen Leibeskraft. Auf der Schanze in Bern wurde er viele Jahre als Sieger gekrönt und nur einmal vom Waldstätter Heinele Roth besiegt, aber nur, weil dieser beim Grusse ihn mit zwei Neuthalern bestochen. Der Spott seiner Kameraden ärgerte ihn jedoch so, dass er das nächste Mal, als Roth das Manöver wieder versuchte, denselben drückte, dass er blutete und ihn dann auf den Boden warf, wo er den einen Arm brach.

Als nachher in seiner Heimat ein anderer durch List "einen Schwung abgewann", wurde er beinahe rasend und verschwor sich, "und wenn der Tüfel chäm, so wett ich em de zeign, was Millbacher chönnt." Er nahm jeden Begegnenden von nun an in die Hände, und es kam soweit, dass, um Unglück zu verhüten, ihm stets einer vorlief, um vor dem Kommenden zu warnen. Einst, als man dies auch bei einem kleinen unansehnlichen Männchen that, lächelte dieses bloss und ging seinen Weg weiter. Bei Millbacher angelangt, fasste dieser das Männchen und warf es etwas unsanft zu Boden. Aber diesmal ging es anders, das Männchen war blitzschnell wieder auf, packte den Gegner und schleppte ihn über Stock, Staude und Hag, bis er zerschlagen, ja ein Krüppel war. Von nun an schwang er nie mehr und niemand zweifelt noch heute daran, wer das Männchen gewesen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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