Der Schlossbau am Belpberg
Inmitten einer der vielen Wiesen längs der Abhänge des Gurten bei Bern steht ein Dornbusch von ungewöhnlicher Grösse in gut bebautem Boden und umzieht einen gewaltigen Granitblock. Es heisst, vor alten Zeiten sei die ganze Gegend um den Gurten und den Belpberg Eigenthum eines sehr reichen, aber stolzen und unnachbarlichen Edeln gewesen. Als dieser sich vor den Gegnern, die er sich selbst gemacht, nicht mehr sicher glaubte, beschloss er, an einem schwer zugänglichen Vorsprunge des Belp- berges eine uneinnehmbare Burg zu bauen und ging daran. Schon war das Fundament auf drei Seiten gelegt, als der Baumeister erklärte, die vierte könne nicht fest genug werden ohne einen Granit von der nöthigen Grösse. Da er einen solchen nur durch das Gebiet seiner Feinde hätte herbringen können, machte der Edelmann einen Vertrag mit dem Teufel, ihm einen solchen Stein herzuschaffen, wofür er ihm seine Seele verschrieb. Am andern Morgen kam der Böse mit dem Granit durch die Luft gefahren, wurde jedoch durch eines alten Mütterchens Gebet über die festgesetzte Frist aufgehalten, so dass er den Block im Grimm dort fallen liess, wo er nun liegt. Der Belpberger aber, von Reue ergriffen, wurde ein anderer Mensch, zerstörte den angefangenen Bau und lebte fromm.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch