Der Satan auf dem Moléson
Auf dem Moléson zeigt sich der Satan in einer Weise, welche sich sonst nirgends wieder findet. Geht man nämlich still und schweigsam am Abend vor dem Johannistage, der sogenannten Sommersonnenwende, durch die düstere, felsige Schlucht, in deren Grund der wilde Bergbach braust und schäumt, an einem Kapellchen vorüber bis auf einen trichterförmigen Grund, mit schönstem frischen Wiesengrün bedeckt, und sucht dort auf einer Stelle, wo man weder reden noch läuten hört, Farrenkraut, das an diesem Abend zu blühen pflegt, und findet es auch wirklich; dann erscheint plötzlich in höchst eigener Person und menschlicher Gestalt der Geist des Bösen und überreicht einen mächtigen Beutel, der mit rothem, blitzendem Golde ganz angefüllt ist. Und dabei fordert er für diese Gabe weder die Seele dessen, der ihn an dieser heimlichen Stelle aufgesucht, noch auch nur den einfachen Dank, den man Gotteslohn zu nennen pflegt.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch