Die Teufelsmauer auf Mellingen
Auf Mellingen im Blasen sollte eine lange Mauer gebaut werden, damit die beiden Alpen der Ulricher und Obergesteler genau begrenzt würden. Die Erstellung der Mauer übernahm ein Ulricher. Aber dieser wollte mit wenig Mühe eine grosse Arbeit zu Stande bringen. Deshalb rief er den Teufel herbei, um mit ihm einen Pakt zu schliessen. Der Teufel kam. "Baust du mir die Mauer," sprach der Ulricher, "so schnell, als ich mit meinem Pferde voran reiten kann, so sollst du zum Lohn dafür meine eigene Seele haben." Der Teufel wars zufrieden. Gleich trug er Steine herbei und mauerte mit unglaublicher Schnelligkeit, aber auch der Ulricher spornte sein Ross, damit es im Galopp voraneile. Doch siehe, der Teufel baute die Mauer rasch, sehr rasch, dicht hinter den Hufen des galoppierenden Rosses und spritzte sogar den Mörtel an den Rücken des Reiters. Dieser sah sich fast verloren. Da riss er plötzlich sein schäumend Ross um und spornte es ins Kreuz über die Mauer. Der Teufel stand verblüfft da — fluchend über den listigen Ulricher, der ihm einen solchen Streich gespielt hatte. Die Teufelsmauer aber, mit dem gemauerten Kreuz, steht bis auf den heutigen Tag in Mellingen.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch