Mutabor Märchenstiftung

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Hirt und Teufel

Land: Schweiz
Kanton: Appenzell
Kategorie: Sage

Ein Appenzeller Hirtenbube hütete einst eine Herde Ziegen. Im Zorn über die wilden, neckischen und unbändigen Thiere rief er einst: "So wollte ich, dass euch der Teufel hüt!" Sogleich erschien der Teufel und sagte, das wolle er wohl thun, nur dürfe der Hirtenbube das Evangelium Johannis nicht mehr hersagen. Ohne Zögern ging dieser den Pakt ein und der Teufel freute sich schon, so leichten Kaufs eine Menschenseele erhascht zu haben. Diese Freude war aber etwas zu früh, der Teufel war angeführt. Zwar hielt der Hirtenbube sein Versprechen, das Evangelium Johannis nicht mehr herzusagen, dafür hat er es aber von jener Stunde an alle Tage einmal gepfiffen, was auf ein und dasselbe herauskam, und dem Teufel alle Macht über den Schlaukopf nahm, dessen Herde er von da an hätte hüten müssen, wenn dieser das unchristliche Bündnis nicht bereut und den Bösen nicht davon freigesprochen gehabt hätte.

Nicht so gut ging es einem andern Hirten, der einst sein wildes Vieh zum Teufel holen verwünscht hatte. Kaum war dieser gottlose Wunsch über die Lippen des Fluchers, so kam der Teufel in der Luft einhergebraust und stürzte ein paar Stück der schönsten Thiere über die Alpwand. Schon hatte der Teufel wieder ein Stück an den Hörnern, um es den andern zwei nachzusenden, da rief aber der Hirt, der seine Sünde erkannt reuevoll: "Herr Gott, ich war im Fehlen!" und bekreuzte sich dreimal. Diesem Spruche musste der Teufel weichen, die Alp aber, aus der dies geschah, heisst heute noch Im Fehlen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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