Mutabor Märchenstiftung

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Warum der Teufel hinkt

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

Als die heilige Verena einst vor ihrer Zelle in der Nähe Solothurns auf den Knien lag und ihr Gebet verrichtete, in  das sie auch die mit einschloss, welche vom Pfade der Wahrheit und Tugend abgewichen geraden Wegs der Macht des Bösen anheimzufallen drohten, ärgerte sich der Teufel, der eben da vorbei gegangen und sich neugierig herbeigeschlichen hatte, dem Gebete der Heiligen zuzulauschen, so sehr, dass er wüthend ein Felsstück losriss und es mit seinen Krallen hoch über dem Haupte der Betenden erhob, um es auf dasselbe herabzuschleudern. In diesem Augenblick aber schaute die heilige Verena zufällig empor und ihr Blick traf den über ihr niedergebeugten Fürst der Hölle. Dieser Blick verwirrte ihn dergestalt, dass er erschreckt einige Schritte zurückfuhr und der schwere Stein, seinen Krallen entsinkend, statt auf das Haupt der Heiligen, auf seine eigenen Füsse fiel. Brüllend und heulend entfloh er. Der Stein, an dem die Spuren der Teufelskrallen ganz natürlich zu sehen, liegt noch an jener Stelle. Er ist sehr schwer und gross und daher es auch kein Wunder, dass der Teufel von seinem Fall zeitlebens hinkend geblieben.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch