Mutabor Märchenstiftung

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Die Hexe

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Christian Roth von Riedgarten, Pfarrei Rechthalten im Kanton Freiburg, ging einst im Frühling vor Tag nach Plaffeyen und dann in die Berge, wo er in einem Vorsatz (Mai- oder Vorsäss) etwas zu thun hatte. Bei Tagesanbruch befand er sich zu Ruffenen hinter Plaffeyen, wo noch alles schlief. Er setzte den Weg still gegen den Kiesgrund des Ruffenenbaches fort, vernahm oben im Schuttbette des letztern brummende Töne, die sich näherten, und erblickte endlich eine hässliche, zerlumpte Weibsgestalt, welche in einem fort sang:

"West und Hosen, Knöpf (Knospe) und Rosen, Spiel und Karten, Speck und Schwarten, Kraut und Ruben, Meitschi und Buben, Ross und Rinder, Weib und Kinder, Hühner und Hähndel. Sack und Bändel, Das gibt sich zusammen Wie Herren und Damen."

Als Roth über den Bachsteg war, wanderte das Weib, immer im Brummbasse singend, eben unter demselben durch, nach der Sense eilend, über welche sie huschte und dann gegen die Vorsässe von Guggisberg.

In der "Kräutern" oder "Schwarzenburgera" hatte sie das Sennwesen so bezaubert, dass im Mai nicht mehr gekäset und geziegert werden konnte. Die Guggisberger liessen den Zauberbanner Brünacker kommen, welcher die Hexe herbannte und unter den Schwellen des Milchgadens etwas wegnehmen liess, das sie dort hingelegt hatte. Sogleich konnte wieder gesennet werden.

Ein Plaffeyer hatte sie, als sie den Bann gespürt, über Ruffenen hinunter eilen und mit einem Sprunge über die Sense setzen sehen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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