Mutabor Märchenstiftung

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Die Butterhexe und der Schneider zu Tegerfelden

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Oft sah der Nachtwächter von Tegerfelden einem Weibe des Dorfes durchs Fenster zu, wenn sie nachts sich rüstete, mit andern Dorfhexen aufs Unterfeld beim Schlosse zum Tanze auszufahren. Auf jenem Felde wollte kein Gras mehr wachsen, als es aber der Nachtwächter pachtete, vergrub er nur ein Stückchen Brot drein und er konnte bald wieder reichlich mähen.

Einst musste jenes Weib Butter machen, da sie gerade einen Schneider auf der Stör hatte. Sie that nur sehr wenig Nidel (Milchrahm) in den Kübel (Butterfass) und hatte unter seinen Boden einen Kamm gelegt; bei jedem Stoss murmelte sie: "Us jedem Hüs en Löffel!" Bald war sie fertig, holte eine tiefe Schüssel aus der Küche und konnte sie ganz mit einer grossen Butterballe füllen. Der Schneider, der sich alles wohl gemerkt hatte, sagte abends beim Heimkommen gleich zu seinem Weibe: "Geh, hole mir den Kübel, wir wollen anken (buttern)!" "Bist du ein Narr!" antwortete die Frau, "haben wir doch erst neulich gebuttert, und heute ist ja noch gar kein Nidel da." Doch der Schneider bestand auf seinem Vorsatz, machte alles treulich so, wie er es bei der Alten gesehen, und hatte endlich genau so viel Butter wie sie. Voll Freude legte er sich zu Bette und dachte schon an die guten Butterschnitten, die er morgens zum Frühstück essen werde. Aber aus tiefem Schlafe ward er durch ein heftiges Pochen geweckt. Da er das Schubfenster öffnete, stand ein schön gekleideter Herr mit Stock und Hut draussen, der hartnäckig Einlass begehrte; da half keine Weigerung. "Was habt Ihr heute gethan!" sprach der Eintretende, "da müsst Ihr Euch jetzt entweder gleich in dieses Büchlein schreiben, oder Euch noch in dieser Stunde mit mir auf den Weg machen!" Das letztere schien dem Schneider gar zu schrecklich, und aufs Schreiben, das er gelernt hatte, bildete er sich noch dazu nicht wenig ein; er nahm also den ihm dargebotenen schwarzen Stift und schrieb seinen Namen ins schwarze Buch. Aufmerksam sah der Herr dabei zu, als er es richtig fand, war er verschwunden. Hätte der Narr, statt seines Namens, drei Kreuze hingemacht, es hätte ihm nichts gethan. Schneider und Butterhexe sind nachmals zusammen vom Teufel geholt worden.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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