Mutabor Märchenstiftung

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Der Thennibock im Dorf

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Obergoms
Kategorie: Sage

Im obern Dorf von Ulrichen lebte vor Jahr und Tag ein alter Junggeselle, der seine eigene Freude hatte, die harmlosen Kinder zu plagen. Wo er kleine Kinder antraf, schreckte er sie, oder fügte ihnen sonst eine Bosheit zu, so dass sie laut ausweinten. Der Junggeselle starb. Um seine vielen Quälereien zu büssen, ward er in einen grossen, grauen Bock verwandelt. Seine gebogenen Hörner reichten bis auf den halben Rücken; sein Bart hing tief herunter; sein Haar war lang und zottig — kurz der Bock war schauerlich anzusehen. Seinen Aufenthalt hatte er beim obern Dorfbrunnen, wo sich unter einem kleinen Speicher ein Stall befand. Der Bock ward oft gesehen und hiess im ganzen Dorfe der "Thennibock". Aber so majestätisch er einherschritt, war er doch der Spott der Kinder. Oft versammelten sich Knaben und Mädchen beim Brunnen und schrieen, so laut sie konnten: «Thennibock! Thennibock!" und liefen eilig davon. Allerdings kam der Bock aus seinem Stall heraus, um die spottenden Kinder mit seinen Hörnern zu stossen; aber sobald sie über den «Kennel" (Wasserleitung) hinüber waren, hatte der Bock seine Kraft verloren und musste beschämt zu seinem finstern Stall zurückkehren.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch