Mutabor Märchenstiftung

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Der Lampihut

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Das Städtchen Erlach liegt am Fusse des überaus reizenden Jolimonts, der von demselben ziemlich steil aufsteigt und sich im höchsten Punkte 232 m. über dem Meer erhebt. Aus dem diesseitigen Abhange befinden sich fast bis ganz oben herrliche Weingärten, dann folgen Gebüsch und Wald. Eine wohlangelegte, sanft ansteigende neue Fahrstrasse führt auf die Höhe zu einem Landgute, welches mit Alleen, Schattengängen, Ruheplätzchen, Gärten und Gehölz angenehm abwechselt. In der Mitte des Abhanges zieht sich von der neuen Strasse ein mit Recht so geheissener "hohler Weg" gegen die Kirche hinunter.

Durch diesen Hohlweg sah man von Zeit zu Zeit, besonders bei bevorstehender Veränderung der Witterung einen Jäger mit einer Flinte auf dem Rücken und einem grossen, breitkrämpigen Hut, wovon er den Namen Lampihut hat, herabsteigen. Er kam gewöhnlich bis zum Kirchhofe, dann stand er stöhnend still und erhob ein Geheul, dass es ein Graus war. Zuweilen verfolgten ihn Füchse und andere Thiere. Dies alles geschah zur gerechten Strafe und Vergeltung des Jagdunfuges und der Grausamkeiten, die sich der Jäger in grauer Vorzeit hier hat zu Schulden kommen lassen. War es doch seine grösste Lust, nicht nur auf gewöhnliche Weise das Wild zu verfolgen, sondern es noch aufs unbarmherzigste zu quälen und zu martern, wie er denn manchen Hasen, den er in Schlingen gefangen, mit teufelischer Freude lebendig geschunden hat.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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