Mutabor Märchenstiftung

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Der Zwingherr von Brandis

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Auf Schloss Brandis unterhalb Lützelflüh lebte in alter Zeit ein reicher, aber geiziger und wegen seiner Härte gefürchteter Zwingherr. Als einst der warme Föhn von den Bergen kam und der Schnee schmolz und die Emme hoch anschwoll, fragte der zum Jagdtreiben aufgebotene Müller um Erlaubnis, heute daheim bleiben zu dürfen, da er nothwendig schwellen müsse, wenn ihm das Wasser nicht die Mühle wegnehmen solle. Der Zwingherr aber befahl ihm, beim Treiben nicht zu fehlen, da man eine Bärenspur entdeckt habe. Der arme Müller, welcher im Thale unten das Wasser seine Mühle wegreissen sah, rannte angstvoll hin, nach den Seinen zu sehen. Da fehlte der Säugling. Als er das bejammerte, erschien der Herr zu Pferde und schalt ihn, dass er sein Geschäft verlassen. Der Mann erhob seine geballte Faust gegen ihn und nannte ihn Mörder und des Teufels Sohn. Da schlug ihn des Ritters Streitaxt todt zu Boden. Die Müllerin aber fluchte diesem, dass er keine Ruhe finden solle. Seitdem, so oft der Föhn kommt und die Emme überfliesst, stöhnt es in des Ritters Grabe auf dem Kirchhofe zu Lützelflüh; er muss auf, die schwere Streitaxt fassen, wo er lockere Pfähle findet, hämmern, wo keine sind, neue einschlagen und erst wenn der Hahn kräht, darf er sich wieder zur Ruhe legen.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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