Mutabor Märchenstiftung

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Ein Volkgang

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Grächen
Kategorie: Sage

An den Eggen, in Grächen, war ein Haus, vor dessen Fenstern der Volkgang besonders an den Tempertagen (Quatember) statt hatte. Es war eben ein grosser Tod im Visperthal und auch in Grächen starben viele. Da hörte der Bewohner dieses Hauses, als er eben ins Bett gehen wollte und schon einen Strumpf abgezogen hatte, den er noch in der Hand hielt, plötzlich ein dumpfes Getöse; es rauschte der Volkgang vorüber. Schnell ging er leise ans Fenster und sah eine grosse Prozession von Todten vorübergehen, unter denen sich auch viele ihm Bekannte und unlängst Verstorbene befanden. Zuletzt kam einer, der an einem Bein keinen Strumpf an hatte, wohl aber denselben in der Hand trug. Er verstund, was dies zu bedeuten habe, dass er nämlich sich selbst unter den Todten gesehen und der letzte sein werde. Er bereitete sich zum Sterben und war auch wirklich der letzte, welcher in dieser tödtlichen Krankheit in Grächen zum Grabe getragen wurde.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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