Das geisterhafte Schifflein
Auf einsamer Matte am Abhange des Bürgenberges am Vierwaldstättersee wohnten in stiller Hütte zwei Seelen, Vater und Tochter. Weder Sturm noch Wogen vermochten das edle Mädchen abzuschrecken, für den todtkranken Vater nach Luzern zu dem Arzt zu gehen. Das konnte aber nur zu Schiffe geschehen. Schon oft hatte sie der Gefahr getrotzt, sie wagte diesmal wieder muthig die Fahrt, leider um nicht wiederzukehren. Sie erlag einem Sturme. Seitdem will man auf dem See bisweilen ein geisterhaftes Schifflein, in welchem ein Mädchen im weissen Gewande die Ruder führte, gesehen haben. Wenn aber das Geisterschifflein einem Fahrzeuge nahe kam, da erfasste die Menschen furchtbare Angst, denn es war ihnen eine Vorbedeutung des Unglückes. Seit die Franzosen im Lande waren, ist das warnende Zeichen verschwunden.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch