Die Pest in Zermatt
Als die Pest in Zermatt wüthete, wohnte eine Familie etwas abseits vom Dorfe; sie schlossen sich ein, vermieden jede Zusammenkunft mit andern und blieben dadurch von der Seuche verschont. Nur von Zeit zu Zeit kam einer von ihnen auf einen Hügel heraus, um zu erfahren, ob der Tod aufgehört habe. Endlich vernahm er die gute Botschaft und freudig kamen die Verschonten hervor, um zahlreiche Erbschaften in Empfang zu nehmen. Nur um einen Sack Wolle gab es zuletzt noch Streit, bis endlich die von der Seuche verschonte Familie ihn davontrug. Mit dieser Wolle brachten sie die Krankheit in ihr Haus und in kurzer Zeit starben alle.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch