Die Pestleutchen
Im vierzehnten Jahrhundert war im Bernerlande ein grosser "Sterbet". Damals, erzählt man, ging ein sonderbar "Mannli" und seine Frau mit einem Besen und einer Sense durch das Diemtiger Thal hinein und auf die Frage, wohin und was sie wollten, antworteten sie: "Sie wollen hinten anfangen und herauswischen." Auf dieses fing plötzlich der Sterbend an. Die Menschen niesten und sanken hin. Man wusste in dieser Noth nichts, als so oft jemand nieste, zu sagen: "Helf dir Gott!" daher kommt die noch jetzt vielorts übliche Sitte dieses Spruches. Die Seuche war so gross, dass eine Kuh in einer Nacht an den neunten Erben fiel; ein Mann führte die Leichen von hinten bis in die Mitte und ein anderer dann bis auf den Kirchhof. Auf dem Wege nach der Kirche steht der grosse ebene "Brotstein", wo die Männer Brot und Wein zu sich nahmen. In den inneren "Bäuerten" des Diemtiger Thales blieb eine einzige Weibsperson übrig, zu welcher später ein Bettler kam, und von diesen Zweien wurde die Gegend wieder bevölkert.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch