Die drei Blutstropfen
In Nüdlingen im Schaffhauser Gebiet waren einst zwei Männer ihrem gemeinschaftlichen Freunde grollend aus Neid über das Gedeihen seines Haushaltes. Nun trug es sich zu, dass eines Abends spät alle drei sich über den Rhein setzen liessen, und als sie in die Mitte des Stromes gekommen waren, ergriffen die beiden treulosen Meuchler ihren Freund und warfen ihn in die Wellen, also dass er ertrank. Aber des andern Tages wurde sein Leichnam am Ufer gefunden, wo ihn seine Schwester erkannte; alsbald erhob sie bittere Klagen, und als sie in ihrem Gram wie von ungefähr den Todten frug: "Ach, Bruder, wie ist es dir ergangen?" fielen demselben drei Blutstropfen zur Erde. Von Stund an erkannte sie, dass er eines gewaltsamen Todes gestorben sein müsse, und der Verdacht fiel auf die treulosen Freunde.
Aehnliches wird in Schleitheim von dem Wildschützen Stauhannes erzählt. Derselbe achtete es wenig, dass der Forst auf dem Randen denen von Fürstenberg zuständig war und schoss Wild darin, so oft er mochte, bis sie ihm auf die Spur kamen und ihn in eine Falle zu locken gedachten. Sie luden ihn deswegen gen Donauöschingen auf ein Freischiessen ein, allwo sie ihn greifen und auf einen Hirzen schmieden wollten. Aber des Morgens früh, als er den Weg antrat, schwitzte er drei Blutstropfen, die ihn vor seinem Gange warnten.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch