Mutabor Märchenstiftung

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Wie die Reinacher Kirche vors Dorf hinaus kam

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Zur Reformationszeit kamen die Ortschaften Reinach und Beinwyl überein, sich zusammen eine Kirche zu bauen. Reinach war damals schon bei Geld und bestritt sämtliche Taglöhne für den Bau, das kleinere Beinwyl sollte Holz und Stein dazu liefern aus jener Waldnutzniessung, welche bis dahin ihm freiwillig am Gemeindebann zugestanden worden war. So weit ging alles recht und das Material war bald gerüstet; nur über die Wahl des Bauplatzes konnten beide Dörfer sich nicht einigen. Die Reinacher wollten die Kirche mitten in ihrem Orte haben neben der alten Linde am Schlösschen, das man den Schneckenthurm heisst; Beinwyl dagegen blieb darauf, dass man sie auf den Berg stelle, der zwischen beiden Ortschaften liegt, damit man nicht zu jeder Kindstaufe und Hochzeit vom Hallwyler Seeufer herüber und bis in die Mitte des Nachbardorfes hinein laufen müsse. Diesem Streite suchten die Reinacher dadurch ein Ende zu machen, dass Jung und Alt sich zusammenthat und alle Quadern und Balken mit einander ins Dorf hinauftrug bis gegen den Schneckenthurm auf die Stelle, wo nun das Pfarrhaus steht. Umsonst; die Steine und Tannen waren in der nächsten Nacht wieder genau auf jenen Platz zurückgekommen, den die Beinwyler ursprünglich dem Bau gewünscht hatten. So sah man in dieser Steinwanderung einen Wink des Himmels und führte also die Kirche mitten zwischen den zwei Gemeinden auf, damit keine im Vortheil oder Nachtheil sei.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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