Das Vergissmeinnicht
Als Gott der Herr den Blumen auf dem ganzen Erdenrunde die Namen gegeben hatte, behielten ihn alle sehr wohl im Gedächtnisse. Nur ein Blümlein, ein ganz kleines, bescheidenes von himmelblauer Farbe, hatte seinen Namen vergessen, und konnte ihn auch bei keiner andern Blume mehr erfragen. Endlich musste es, obwohl es sich scheute, wieder zurück zu seinem Schöpfer, um zu fragen, wie es heisse. Und als es kam, hob der Herr den Finger und sagte zum verschämten Blümlein nur die Worte: "Vergiss mein nicht!" Darauf ist das Blümlein fröhlich wieder weggegangen, nachdem es dem Allgütigen für den schönen Namen gedankt hatte, und trägt noch heute den Namen «Vergissmeinnicht".
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch