Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Wie sich die Hornusser schönes Wetter verschafften

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Schwank

Den Bauern zu Hornussen im Frickthale regnete es einmal zu lange, und wie sehr sie auch den lieben Gott mit Kreuz und Fahne um Sonnenschein baten, der Himmel fuhr fort, wie mit Mulden zu giessen. Da fand sich ein Spassvogel, der ihnen den Rath gab, sich aus der Apotheke gutes Wetter holen zu lassen. In einer so reichen Stadt, wie Basel, sei alles zu haben. Die Gemeinde dankte für diese Belehrung, und schickte einen Abgeordneten in die Stadt, um für einen Batzen von dem gewünschten Wetter zu holen. Der Apotheker verbiss sich das Lachen, bot dem Mann einen Stuhl an und ging hinaus, angeblich, um das schöne Wetter zurecht zu machen, in Wahrheit aber, um sich zu überlegen, wie er den Narrenstreich glücklich zu Ende bringen könne. Zurückgekehrt übergab er dem Boten eine Pillenschachtel mit dem Bedeuten, sie ja nicht unvorsichtig zu öffnen. Vergnügt verliess der Bauer die Apotheke, und machte sich auf den Heimweg. Aber je weiter er kam, desto grösser wurde seine Neugier, wie das schöne Wetter aussehe, das sich in einem so kleinen Schächtelchen in den Sack stecken lasse, und als es nun gar in der Schachtel zu schnurren und zu brummen anfing, konnte ers kaum aushalten. Ein Mal ist kein Mal, dachte er endlich, vor dem Dorfe angelangt, setzte sich nieder, rückte am Deckel, hob ihn und — hast du nicht gesehen? flog eine Hornisse heraus und auf das Dorf zu. Gelassen ging der Mann dem Vögelein nach ins Dorf, und als man ihn hier fragte, wo er denn das schöne Wetter habe, antwortete er: "Ei, es ist ja gerade zu euch hineingeflogen!"

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882

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