Die Salvaneser bauen ein Gemeindehaus
Einst wollten die Salvaneser im Unter-Wallis ein Gemeindehaus aufbauen und setzten den Tag fest, das Holz herbeizuschaffen. Da nun der Holzschleif sehr steil war und man doch wünschte, das Holz unbeschädigt auf den Bauplatz zu bringen, so liess man Stück für Stück an Seilen hinunter. Das ging nach Wunsch, doch das letzte Stück entglitschte dem Seil und glitt wie geflogen den Schleif hinab. Erstaunt hierüber sagte nun einer von den verständigsten: "Das geht doch viel bequemer und leichter; tragen wir also das ganze Holz wieder hinauf und lassen es ohne Seil hinuntergleiten." Sein verständiger Rath ward gebilligt und die Arbeit begann von neuem.
Als nun alle Baumaterialien herbeigeschafft waren, begann der Bau. Alle Hände waren so rüstig, dass derselbe in kurzer Zeit vollendet dastand. Doch das Wichtigste am Hause, die Fenster fehlten, und als man ins Haus trat, wars überall stockfinster. Man war einige Zeit unschlüssig wie man diesem Uebelstande abhelfen könne. Doch bald wusste einer Rath. "Das beste ist," meinte er, "wir tragen die Sonne hinein, dann wirds schon hell werden." Alles staunte über diesen klugen Einfall und nun stellte man mehrere lederne Säcke auf die nächste Wiese hin, wo die Sonne schien, schloss sie, wenn sie voll Sonne waren, zu, trug sie ins neue Haus und schüttelte da das gefasste Sonnenlicht aus, bis das ganze Haus erhellt war.
H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch