Mutabor Märchenstiftung

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Die Erdmännlein und der geizige Bauer

Land: Schweiz
Region: Emmental
Kategorie: Sage

Früher gab es im Emmental so manchen Brauch, der die Not der Armen linderte. So liess man nach der Kornernte die abgefallenen Ähren auf dem Feld liegen, damit die Armen sie aufsammeln und ihren Hunger stillen konnten.

Einmal aber gab es einen nassen Sommer und als dann endlich die trockenen Tage kamen, reifte das Korn so schnell, dass zahlreiche Ähren zu Boden fielen. Seufzend überliessen die Bauern sie den Armen. Nur der Erlenhofbauer sagte zu seinen Knechten: «Geht und sammelt die abgefallenen Ähren auf! Die Armen sollen nicht alles bekommen.»

Als die Knechte auf das Feld kamen, waren bereits einige Arme dabei, die Ähren aufzulesen. Die Knechte vertrieben sie mit groben Worten: «Geht fort! Sammelt auf einem anderen Feld, hier habt ihr nichts zu suchen!»

Die Armen baten vergeblich um ein paar Ähren, und verliessen schliesslich hungrig das Feld. Abends brachten die Knechte die vollen Säcke nach Hause und der Bauer rieb sich zufrieden die Hände.

Doch mit den Armen hatte der geizige Bauer auch die Erdmännlein vertrieben, die auf dem Erlenhof wohnten. Kaum waren sie fort, verliess den Bauern das Glück. Ein Unglück folgte auf das nächste. Man erzählt sich, dass der Bauer so verarmte, dass der Hof in fremde Hände kam und er schliesslich hungrig jene Ähren auflesen musste, die der neue Bauer liegen liess. Wer weiss, vielleicht sind die Erdmännlein inzwischen wieder auf den Erlenhof zurückgekehrt.

Fassung D. Jaenike, nach: H. Wahlen, Emmentaler Sagen, Bern 1962, © Mutabor Verlag